Das schnittige multitool für ambitionierte Pilot:innen!
Ozone richtet das F*Race 2 an Piloten ab Intermediate, die ein ultraleichtes Hike-and-Fly, Vol-Biv und XC-Gurtzeug suchen.
Ich fliege das Ozone F*Race seit knapp drei Monaten und konnte es in unterschiedlichsten Bedingungen sowohl beim Streckenfliegen als auch beim Soaren einsetzen. Ich bin 180 cm gross, normal gebaut und fliege die Grösse M.
Material und Verarbeitung
Mit seinem geringen Gewicht und dem aufblasbaren Protektor ist das F*Race 2 konsequent auf Hike and Fly ausgelegt. Mein Exemplar wiegt in der von mir verwendeten Konfiguration rund 1,85 kg. Gleichzeitig lässt es sich dank des durchdachten Aufbaus unglaublich kompakt packen.
Bei der Konstruktion setzt Ozone auf einen Materialmix aus leichtem Ripstop und einer anatomisch angeordneten Dyneema-Fadenstruktur in den tragenden Bereichen. Statt auf grossflächige Polsterung setzt das Gurtzeug auf eine gezielte Abstützung des Körpers. Das funktioniert für mich erstaunlich gut: Die Sitz- und Rückenpartien unterstützen den Körper dort, wo die Last aufgenommen wird, ohne unnötig aufzutragen.
Im vorderen Bereich des Beinsacks nimmt ein Neoprenelement die Spannung auf und sorgt dafür, dass sich das Ripstop möglichst glatt anlegt. Auch der Heckbürzel fällt im Vergleich zu älteren Ultraleicht-Gurtzeugen länger aus und verleiht dem Gurtzeug eine schnittige Silhouette.
Im Vergleich zu älteren Ozone-Gurtzeugen macht das F*Race 2 auf mich einen sehr sorgfältig verarbeiteten und hochwertigen Eindruck. Wie sich die Materialien langfristig bewähren, lässt sich nach knapp drei Monaten natürlich noch nicht abschliessend beurteilen. Allfällige Reparaturen wären vom verwendeten Material her jedoch recht einfach machbar.
Vorbereitung und Handling am Boden
Statt klassischer Schraubkarabiner kommen beim F*Race 2 die leichten Xlite-Connect-Verbindungen zum Einsatz. Ich mag diese Lösung sehr denn gibt keine Schraubverschlüsse, deren korrekten Sitz ich vor jedem Start kontrollieren muss und die weichen Verbindungen verhängen sich weniger leicht an Leinen oder Stoff. Wer Schirm und Gurtzeug regelmässig voneinander trennen möchte, kann sie auch mit den gängigen Petzl Leichtkarabiner austauschen.
Auch beim Stauraum hat mich das F*Race 2 positiv überrascht. Das Rückenfach ist riesig, und unter dem Sitz befindet sich ein weiteres Fach, in dem problemlos zusätzliche Ausrüstung wie ein Schlafsack Platz findet. Für ein Gurtzeug dieser Gewichtsklasse ist das aus meiner Sicht ein grosser Pluspunkt, gerade wenn man nicht nur auf Strecke, sondern auch auf längeren Vol-Biv-Touren unterwegs ist.
Der aufblasbare Protektor wird mit der mitgelieferten, angenehm leisen Pumpe befüllt, die im Rückenfach an einer vorgesehener Schlaufe verstaut wird. Der Einstieg ins Gurtzeug ist einfach: Eine Beinschlaufe ist geschlossen, die zweite wird nach dem Einstieg über einen leichtgängigen Aluminium-Toggle geschlossen. Beinsack und Cockpit werden wie bei vergleichbaren Gurtzeugen über separate Verschlüsse gesichert.
Auch nach dem Start lässt sich der Beinsack gut erreichen. Da ich mir allerdings bereits einen Beinsack-Holer von meinem früheren Weightless gewohnt war, habe ich relativ schnell einen Gummizug an der Fussplatte befestigt, so ist man in Sekundenbruchteilen im Gurtzeug.
Komfort und Handling im Flug
Die Sitzposition im F*Race 2 ist recht weit zurückgelehnt. Wer noch wenig Erfahrung mit Liegegurtzeugen hat, muss sich daran erst gewöhnen. Die Ausgangseinstellung war für mich recht unangenehm. Nach einigen Flügen und Einstellrunden lässt sich das Gurtzeug aber sehr gut abstimmen. Die Einstellungen über die Schlaufen im Beinsack sind etwas fiddelig, aber vergleichsweise übersichtlich.
Besonders praktisch finde ich, dass sich der Druck im aufblasbaren Protektor während des Flugs über ein Ventil am rechten Schultergurt anpassen lässt. Für mich ist das Gurtzeug am bequemsten, wenn der Protektor zwar voll, aber nicht ganz prall aufgeblasen ist. Hier lohnt es sich, etwas mit der Einstellung zu experimentieren.
Ist die Position einmal gefunden, empfinde ich das F*Race 2 als ausgesprochen bequem. Auch einen langen Streckenflugtag kann ich darin problemlos verbringen, ohne am nächsten Tag mit unangenehmen Druckstellen oder Verspannungen zu kämpfen.
Das Cockpit besteht aus einem abnehmbaren «Lätzli» mit Z'nüni-Fach und Instrumentenboard. Letzteres bietet genügend Platz, auch wenn man mit mehreren Instrumenten und entsprechend viel Technik unterwegs ist. Einen kleinen Schwachpunkt sehe ich bei den Druckknöpfen, mit denen das Lätzli am Klettboard befestigt wird. Sie lösen sich für meinen Geschmack etwas zu leicht. Bei Soaring-Sessions mit vielen Starts und Landungen nehme ich das Lätzli deshalb lieber ganz weg und verwende das kleinere Instrumentenboard direkt am Frontcontainer. Die beiden seitlichen Taschen sind im Flug gut erreichbar und bieten ebenfalls viel Platz. Der Frontcontainer hängt beim Start recht tief und scheint ein wenig in den Weg zu kommen, in der Praxis bleibt der Notschirm aber bis zum Einstieg ohne zu stören brav an der Seite.
Sicherheit und Aerodynamik
Der Retter ist in einem gut integrierten Frontcontainer untergebracht. Der Auslösegriff ist gut sichtbar und einfach zu erreichen. Bei mehreren Probeauslösungen liess sich der Container ohne auffälligen Widerstand bedienen. Die Verbindungsleinen sind an den Schulteraufhängungen angeschlossen, alles andere wäre meiner Meinung ein No-Go. Auch der aufblasbare Protektor ist für ein ultraleichtes Gurtzeug sehr grosszügig dimensioniert. Der geschützte Bereich geht von den Oberschenkeln bis in die Mitte des Rückens.
Der kompakte Aufbau und die schmale Silhouette lassen das Gurtzeug dennoch sehr schnittig wirken. Zusammen mit dem längeren Heckbürzel ergibt sich eine aerodynamische Form, die mir gut gefällt. Einen messbaren Leistungsgewinn gegenüber anderen Gurtzeugen habe ich allerdings nicht untersucht, doch gefühlt komm ich nun um Kilometer weiter ;).
Der längere Heckbürzel ist mir bei Stall-Manövern auch schon gegen den Helm gekommen, aber bisher weder vors Gesicht noch in den Bereich der Hände. Das ist für mich beim F*Race im Gegensatz zu den Submarines kein Problem, sollte beim Kennenlernen des Gurtzeugs aber im Hinterkopf bleiben.
Fazit
Das Ozone F*Race 2 ist für mich ein durchdachtes, optisch gelungenes und nach etwas Einstellarbeit sehr bequemes Liegegurtzeug. Es verbindet ein geringes Gewicht und ein kleines Packmass mit überraschend viel Stauraum, einem grosszügigen aufblasbaren Protektor und einer Sitzposition, in der ich auch lange Streckenflüge problemlos geniessen kann. Ich finde es vor allem als Sublight alternative interessant wenn man etwas von dem Leistungsplus haben möchte ohne die Kompromisse in punkto Sicherheit und Ease of use machen zu müssen.
Ganz ohne Kompromisse geht es beim F*Race allerdings auch nicht. Die zurückgelehnte Position verlangt etwas Gewöhnung und Geschraube, bis die Einstellungen wirklich passen. Auch das Cockpit könnte für meinen Geschmack etwas zuverlässiger befestigt sein. An Tagen mit viel Starten, und (speziell Top-) Landen, dürfte das abnehmbare Lätzli deshalb eher früher als später weggelassen werden.
Für mich überwiegen die Vorteile jedoch klar gegenüber anderen vergleichbaren Gurtzeugen. Die einen sticht es durch die leichte Bedienbarkeit und die anderen durch den Leistungsvorteil aus, der jedoch mehr gefühlt als messbar ist. Es ist kein Gurtzeug, das ich jedem Einsteiger empfehlen würde, aber für Piloten mit etwas Erfahrung ist es aus meiner Sicht ein sehr gelungenes Gesamtpaket. Komm im Shop vorbei und schau es dir an, wir beraten dich gern!