Dabei lag während der Woche für mehrere Tage der Schatten schlechter Wetterprognosen über unseren Plänen. Schlussendlich zeigte sich einmal mehr die Schwierigkeit der Wettermodelle tiefdruckbestimmtes Wetter abzubilden. Aus dem vermeintlich schlechtesten Tag wurde dann doch der beste. Doch der Reihe nach.
Ereignislos kamen wir früh am Samstagbend bei schönstem Sonnenschein in Castelluccio an und nutzten die perfekten Bedingungen gleich für einen farbenprächtigen Flug ab Fontanile. Das warme Abendlicht tauchte die Ebene in Gold- und Rottöne und schenkte uns einen ersten Eindruck dieses einzigartigen Fluggebietes.
Der Sonntag begann mit einem magischen Sonnenaufgangsflug. Traumhaft, wenn die ersten Strahlen langsam über die Ebene wandern und Castelluccio aus der Dunkelheit auftaucht. Nach dem Frühstück bei Noemi und Rodolfo folgten Thermikflüge und Handling in der Ebene, bis uns der Tag mit breitem Grinsen und müden Armen zurückliess.
Am Montag blieb der Wind auf Südwest – perfekte Bedingungen für intensives Handling am Rotonda und einen stimmungsvollen Abendflug nach San Pellegrino. Das Mittagessen von Anna genossen wir wie fast jeden Tag «im Feld», so konnte jeder chillen oder groundhandeln, wie es ihm zumute war.
Der Dienstag brachte anfangs Regen, dann trockenes Wetter mit stärkerem Wind. Gemeinsam analysierten wir das berühmte «Windfenster» und setzten die Theorie direkt in die Praxis um. Die Geduldigen wurden am Abend mit soliden Soaring- und Handlingbedingungen belohnt.
Am Mittwoch wurde gekitet, rückwärts gestartet, bodengevrillt und gesoart. Jeder auf seinem persönlichen Niveau. Besonders eindrücklich waren die Fortschritte der Teilnehmer: Was zu Beginn der Woche noch herausfordernd wirkte, sah plötzlich kontrolliert und selbstverständlich aus.
Waren die Prognosen für Donnerstag anfangs rabenschwarz, zeigte sich in der Realität ein völlig anderes Bild. Guter Wind fürs Starkwindhandling an der Forca di Presta und ideale Thermik ermöglichten sogar die Überhöhung des Vettore und ein Highlight jagte das nächste. Zum Abschluss ein eindrücklicher Sonnenuntergangsflug nach San Pellegrino: einer dieser Momente, die man nicht vergisst.
Am letzten regulären Tag drehte der Wind auf Ost. Fontanile bot Starkwindflüge, intensive Speedbar-Übungen und eine butterweiche Soaring-Session zum Abschluss. Und wie jeden Abend warteten danach fantastisches Essen, viel Gelächter und gute Stimmung, die nur entsteht, wenn Gleitschirmpiloten eine intensive Woche miteinander erleben.
Wer am Samstagmorgen früh dann noch Energie hatte, stand vor Sonnenaufgang nochmals auf. Ein letzter stiller Flug über Castelluccio nach einer spannenden und lehrreichen Woche! Und dabei der, nach all den Jahrern immernoch berührende Blick auf das Dorf, das nach dem Erdbeben von 2016 langsam wieder aufgebaut wird. Umso schöner der Gedanke, mit unserem Besuch auch einen kleinen Beitrag zur lokalen Wirtschaft geleistet zu haben.
Die Woche endete somit fast ohne Zwischenfall. Auf der Heimfahrt sammelten wir erneut einen Nagel ein und der Schraubenschlüssel brach beim Radwechsel. Doch zufällig anwesende Handwerker schweissten ihn kurzerhand zusammen, italienische Improvisationskunst vom Feinsten! So kamen wir schliesslich zurück in die Schweiz: müde, glücklich, voller Erinnerungen und vermutlich ein paar Kilo schwerer.
Vielen Dank an alle, die mit uns dieses Abenteuer bestanden haben! Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Woche im Herbst.